Wendland84er mit Deutscher Langstrecken-Meisterschaft 2004



Rubick und Förster siegen im Spurt - Stangl und Timmann mit deutschen Rekorden


boick/königshorst/27. Juli. Auch zwei Tage nach den Deutschen Langstrecken-Meisterschaften beim Wendland84er in Prezelle sind die Veranstalter überwältigt von der Begeisterung der Skater und Skaterinnen sowie der vielen Helfer und Helferinnen in den Dörfern, durch die die 22,7-km-Strecke führt. Der langanhaltende Applaus sorgte beim Organisationsteam von der IGAS Wendland für Gänsehaut. Kurz vorher hatte Axel Enderes von der Sportkommission Speedskating gefragt, ob im nächsten Jahr wieder Deutsche Langstreckenmeisterschaften in Prezelle stattfinden sollten. Da müssen und wollen wir eigentlich weitermachen, nickten sich die Organisatoren beim Aufräumen am Sonntagnachmittag zu. Ende September soll die endgültige Entscheidung fallen, ob es im nächsten Jahr weitergeht in Prezelle. Die Tendenz geht ganz stark zu einem Ja. Prezelles Bürgermeister Hartmut Heitmann hat abends beim Melken im Kuhstall nur 50 Meter vom Veranstaltungszentrum auf dem Dorfplatz schon wieder die Unterstützung der Kommunen und der Prezeller zugesagt.
Viel Glück hatten die Langstreckenskater diesmal mit dem Wetter. Bei hervorragenden Witterungsbedingungen, 20 Grad, leicht bedeckter Himmel und leichter Wind, machte das Skaten auf dem flachen und extrem schnellen Kurs durch den Osten Lüchow-Dannenbergs richtig Spaß. An der Spitze der drei Startgruppen der DM gab es taktisch geprägte Rennverläufe mit starken Tempowechseln, die vor allem in der letzten Runde zu Tempoverlangsamungen führte. Dadurch erreichten große Pulks die Zielgerade in Prezelle, die aber an die bestehenden Bestzeiten in den einzelnen Altersklassen nicht herankamen. Den Spurt des schwächer als Vorjahr besetzten 23-köpfigen Spitzenfeldes der Männerhauptklasse und M30 gewann Clemens Rubick vom BW Gera in 2:27:51,2. Er wollte zwischenzeitlich wegen Rückenschmerzen schon aufgeben. Hinter ihm standen die selben Medaillengewinnr auf dem Treppchen wie im Vorjahr: Robert Hirsch (BG Groß-Gerau) und Bernhard Krempl (ISC Regensburg). Titelverteidiger Christian Domscheid war nicht am Start. In der M30 wiederholte Reiner Arnold seinen Vorjahressieg als Gesamt-9. in 2:27:52,15 vor Thomas Ladener (CST Köln) und Stephan Noske (SCC Berlin).
Auch bei den Frauen drehte an der Spitze ein fast 20-köpfiger Pulk gemeinsam seine Runden. Nach der Zwischenzeit an der Marathonmarke (1:19:56) war sogar noch der deutsche Rekord von 2:40:44 in Gefahr. Den Spurt um den Sieg gewann diesmal Beate Förster (EV Dresden), im Vorjahr Vizemeisterin, in 2:42:53,8 vor Ann-Katrin Heinze (BG Groß-Gerau) und Stephanie Pipke (SCC Berlin), die sich ihren vierten Titel in der W30 holte. Zwei Bronzemedaillen wurden in der Hauptklasse vergeben, weil nicht festgestellt werden konnte, ob Jenny Berndt (Freiburger TS) oder die Vorjahresmeisterin Anne Krieg (SN Saar) ihre Rolle vorne hatte. Auch die Medaillengewinnerinnen der W30 lagen nicht weit zurück: Maike Thode (ST Kiel) und Anja Matthes (BG Groß-Gerau). Als Letzte des Spitzenfeldes verbesserte die neue Meisterin der der W40, Karin Stangl (ISC Regensburg), den deutschen Rekord ihrer Altersklasse um über zehn Minuten auf starke 2:43:00,15. Auch Anke Biel (SC DHfK Leipzig) unterbot in 2:50:56 noch die alte Bestmarke von Liane Witt (ST Lübeck), die diesmal nicht am Start war. Dritte der W40 wurde Bettina Ittner (SCC Berlin) in 2:58:31. In der W50 holte Karin Schult-Ufferhusloh vom OSC Leer im Spurt in 3:13:06,9 den Sieg vor Gertraud Budde (Berliner SV) und Hilde Hofacker (LG Mönchengladbach) in 3:18:51. Um 20 Minuten verbesserte Margret Timmann vom ST Celle in der W60 den Rekord auf 3:18:50. Sie siegte vor Christine Beulich (SC Meißen) in 3:22:26 und Elfriede Hecker (TF Feuerbach) in 4:04:08. Für eine Überraschung sorgte Thomas Rumpf vom ST Celle, der sich in 2:38:12,7 seinen ersten DM-Titel in der M40 erspurtete. Die Trennung der M40/M50/M60 von den jüngeren Skatern brachte den erwünschten Effekt: nach den vielen Stürzen im Vorjahr ein ruhigeres, aber auch langsameres Rennen. Hinter ihm ersprintete sich Hans-Jürgen Mehnert (TSV Bayer 04 Leverkusen) vor Karl Scheib (TV Rottenburg) die Silbermedaille. Als Dritter dieser 23-köpfigen Gruppe überquerte Albrecht Bauer (SC Schwenningen) als neuer Meister der M50 in 2:38:13,2 die Ziellinie. Die Medaillen holten sich Reinhard Marsollek (Ruhr BoSS 03) und Klaus Dickmann (ISC Münster). Vorjahressieger und Rekordler Walter Liebertz (ST Celle) ging als Vierter um fünf Hunderstel geschlagen leer aus. Nur in der M60 war der dritte Sieg von Heinz-Peter Kattau (RSC Emden) klarer. Er lag in 2:50:06,2 deutlich vor Hartmut Jahnke (Wilhelmshavener SSV) in 2:50:13,2 und Max Paas (SSV Dhünn) in 2:55:41,7. Für den schnellsten M60er der Fitness-Klasse, Peter Scholz (TSV Olching), hätten seine 2:50:17 zur Bronzemedaille gereicht.
Dass das Straßen-Speedskating in Deutschland eine weitverbreitete Sportart ist, das zeigt die Verteilung der Titel und Medaillen. Neun Vereine teilten sich die zehn Titel, 24 Klubs die 31 vergebenen Medaillen. Nach Siegen erfolgreichster Verein war das ST Celle mit zwei Titel, nach Medaillen schnitt BG Groß-Gerau mit vier Medaillen am besten ab. Mehr als eine Medaille gewann zudem der SCC Berlin mit einem Titel und zwei Bronzemedaillen. Erstmals haben die Skater von der IGAS Wendland weder Titel noch Medaillen gewonnen, weil ihre starken auswärtigen Seniorenskater den Verein zum Jahresbeginn verlassen hatten.
Bei der IGAS freut man sich dafür über einen neuen Teilnehmerrekord: Von über 700 angemeldeten Skaterinnen und Skater gingen fast 650 an den Start. Im Vorjahr waren es 20 weniger.



Viele Titel im Spurt vergeben

Elbe-Jeetzel-Zeitung/jw Prezelle. Die Rennen selbst waren bei den Topleuten taktisch geprägt. »In der letzten Runde hätte man das Feld fast stoppen können - wegen Bummelei.» Was ein Kampfrichter scherzhaft über den Rennverlauf beim Doppelmarathon der Männer berichtete, spiegelte am Sonntag auch das Ergebnis im Ziel in Prezelle wieder. Trotz bester Bedingungen und einem großen Spitzenpulk gabs keine Bestzeit über die 84-km-Distanz. Das war für die Teilnehmer und auch für die Organisatoren von der IGAS Wendland aber auch zweitrangig. Was zählt, ist bei der DM der Titel, dementsprechend taktisch wurde sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gefahren. Die Entscheidungen fielen sowohl in der Hauptklasse als auch in den Altersklassen fast durchweg in den Schluss-Spurts vor rund 300 Zuschauern allein in Prezelle. Lautstark angefeuert und bejubelt und beklatscht vom Publikum am Straßenrand, jagten die Fahrer und Fahrerinnen mit bis zu 50 km/h über die Zielmatten. Bei den beiden Hauptkonkurrenzen schaute sich das Zielgericht die Zielfotos sicherheitshalber genau an, bevor die eindeutigen Sieger bekannt gegeben wurden. Bei den Männern hatte der 19-jährige Clemens Rubik von BW Gera die Nase vorn. Während des Rennens, bei dem vor allem an der Steigung hinter Schletau immer wieder Ausreißversuche gestartet wurden, zeigten sich die Spitzenfahrer fair. Jeder übernahm Führungsarbeit, lobten die Wettkampfrichter. Ausreißer wurden stets schnell wieder eingeholt. Ein gut zehnköpfiger Pulk zog am Ende rund 300 m vor dem Ziel den Spurt an. Rubik nutzte mit guter Technik optimal den Windschatten, bevor er energisch antrat und am Ende schon fünf Meter vor dem Ziel die Arme jubelnd in die Höhe riss. In 2:27:51,20 Std. lag er hauchdünn zwei Zehntelsekunden vor Robert Hirsch von BG Groß-Gerau und Bernhard Krempl vom ISC Regensburg. Ähnlich spannend gings bei den Frauen zu. In der Hauptklasse holte sich Beate Förster vom EVD Dresden den DM-Titel ebenfalls im Spurt in 2:42:53,80 Std. In der Gesamtwertung folgten Ann-Kathrin Heinze von BG Groß Gerau und Stephanie Pipke vom SCC XSPEED TEAM Berlin. Nicht ganz vorne mitfahren konnten erwartungsgemäß die Lüchow-Dannenberger Starter. Dennoch gabs auch von den IGAS-Aktiven, die nebenbei stark in die Organisation eingebunden waren, bemerkenswerte Leistungen. Allen voran hatte Elke Hasselmann einen guten Tag erwischt. Sie absolvierte die 84 km in einem vorderen Pulk in 3:03:09 Std. und belegte damit in der Altersklasse W40 Rang 6. Bereits bei der Marathon-Zwi-schenzeit in 1:28:56 Std. hatte sich eine gute Platzierung angedeutet, so schnell hatte Hasselmann die gut 42 km noch nie zurückgelegt. Lohn war zudem der Landesmeistertitel in der W40. Ebenfalls vorne in der Landesmeisterwertung landete Dieter Starke, der in der M60 3:11:37,05 Std. benötigte. Das war LM-Platz vier und in der DM-Wertung Rang sechs in seiner Altersklasse. In einem gemeinsamen Pulk absolvierten Harmen Döpke (M50), Detlef Boick (34.) und Thomas Kraack (beide M40/33.) den Doppelmarathon. Hand in Hand fuhren Boick und Kraack nach guten 2:55:40,20 Std. durchs Ziel, wobei es das Duo ruhig hatte angehen lassen und durchaus noch einige Minuten schneller hätte fahren können. Dennoch waren beide in der DM-Gesamtwertung als 139. und 140. die bes-ten Lüchow-Dannenberger Starter. Harmen Döpke kam in 2:55:41,80 Std. knapp hinter ihnen ins Ziel. Für Döpke eine klasse Zeit, die mit Platz 17 in der M50 belohnt wurde. Auf Ankommen fuhren Mar-ko Wunsch von der SV Lemgow/Dangenstorf (M30) und Wolf Stahlknecht von der IGAS (M50), die in der extra gewerteten Fitnessklasse nach 4:06:48 Std. über die Zielmatten rollten. Für den SVL-Läufer war das Rang 26 der M30, Stahlknecht wurde 13 der M50. In der M50 war auch Bernhard Steinert von der IGAS gestartet, er gab aber nach drei Runden (61,7 km) auf.




Dreiminütige Ovationen - Rund 200 Helfer beim Wendland84er

Elbe-Jeetzel-Zeitung/jw Prezelle. Axel Enderes, Mitglied im Vorstand des Deutschen Speedskatingverbandes, warf am Sonntag bei der Siegerehrung im großen Festzelt in Prezelle die Frage in den Raum, ob die IGAS Wendland auch im kommenden Jahr wieder die Deutschen Langstreckenmeis-terschaften ausrichten soll. Die Anwort waren über dreiminütige Ovationen von rund 500 begeisterten Sportlerinnen und Sportlern, vielen Zuschauern und etlichen Helfern. Keine Frage: Der Wendland84er, bei dem fast 650 Starter um DM-Ehren gekämpft hatten, hat sich in Speedskaterkreisen etabliert und genießt nicht zuletzt wegen seiner familiären Atmosphäre einen hervorragenden Ruf. Einen großen Anteil daran ha-ben die rund 200 freiwilligen Helferinnen und Helfer, ohne die eine derartige Veranstaltung nicht möglich sei, betont IGAS-Vorsitzender Detlef Boick. So sperrten etliche Feuerwehrleute von sieben Wehren den rund 22 km langen Rundkurs über Schletau, Simander, Schweskau, Groß Breese, Lanze, Prezelle und Lomitz mehrere Stunden gewissenhaft ab. Zuvor waren Umleitungen sorgfältig ausgeschildert worden. Weniger Arbeit als im extrem heißen Vorjahr hatten die Helfer vom DRK, die allein mit vier Wagen präsent waren. Im Vergleich zu rund 70 Versorgungsfällen im Vorjahr war die Zahl der Behandlungen diesmal deutlich geringer. Ein Skater hatte sich allerdings das Schlüsselbein gebrochen, nachdem er über einen vor ihm hingefallenen Fahrer gestürzt war. Die wenigen Verletzungen führen die Organisatoren zum ei-nen auf das optimale Wetter zurück, zum anderen habe sich auch der Startmodus mit mehreren zeitlich getrennten Startblöcken bezahlt gemacht. Viele IGAS-Mitglieder, die selbst an den Rennen teilnahmen, sind ebenfalls in die Vorbereitungen und die Nacharbeiten involviert. So nahm Elke Hasselmann noch vor dem Rennen Nachmeldungen an, absolvierte danach in starker Zeit den Doppelmarathon und war kurz nach der Zielankunft und einer Verschnaufpause schon wieder als Helferin aktiv. »Von solchen Helfern gibt es viele, das ist gar nicht hoch genug zu bewerten», freut sich Detlef Boick über den Einsatz. Ein weiteres Plus der Veranstaltung: Der große Einsatz der Bevölkerung in den Dörfern, durch die die Strecke führt. Mit viel Enthusiasmus sind die Helfer mittlerweile dabei, um als Streckenposten Getränke oder Essen zu verteilen. Vor allem im Zielort Prezelle war die Stimmung bei rund 300 Zuschauern hervorragend. Eine Gruppe Freiwilliger hatte sich T-Shirts mit den Aufdrucken »Alles Banane» und »H2O» anfertigen lassen. Jedem Skater wurde Wasserflasche oder Obst gereicht, alle wurden angefeuert. Karin Stangl (W40/ISC Regensburg) und Margret Timmann (W60/ ST Stelle) beflügelte die Unterstützung prompt zu Deutschen Altersklassenrekorden. Stangl verbesserte die alte Bestmarke um rund zehn Minuten auf 2:43:00,15 Std., Timmann steigerte den Rekord sogar um 20 Minuten auf 3:18:50,75 Std. »Die Bewohner haben das Rennen angenommen und zu ihrer Sache gemacht», freut sich Ulrich Rode von der IGAS, der als Moderator während der gut drei Stunden viele Infos über das Skaten und die Teilnehmer für die Zuschauer parat hatte. Weil die Bereitschaft, beim Wendland84er mitzuhelfen, so groß ist, kann die IGAS mit ihrem Startgeld deutlich unter dem von großen Stadtmarathons bleiben. Dabei ist die Streckenverpflegung sowie eine große Nudelparty am Vortag für alle Teilnehmer und Helfer umsonst. Besonders gut kommt bei den Aktiven der unbürokratische Ablauf an. Wer eine Banane möchte, muss keine Startnummer vorzeigen. Lohn für die Freiwilligen ist eine große Helferverlosung mit rund 50 Sachpreisen. Auch die Teilnehmer gehen nicht leer aus. In diesem Jahr bekam jeder Finisher des Doppelmarathons einen silberne Skaterrolle mit Erinnerungsaufdruck, von de-nen IGAS-Mitglied Thomas Kraack 500 Stück vorbereitet hatte. Für die Frauen gabs obendrein im Ziel jeweils eine Rose. Und die Sieger erhielten neben den DM-Medaillen gut gefüllte Präsentkisten mit ausschließlich wendländischen Erzeugnissen. Kein Wunder also, dass die Teilnehmer auf eine Wiederholung des Wendland 84ers im nächsten Jahr hoffen.