Wendland84er mit Deutscher Langstrecken-Meisterschaft 2003


Domscheit und Krieg gewinnen Hitzerennen - Teilnehmerrekord

boick/königshorst/25. Juli. Die gute Stimmung mit langem Applaus für die Organisatoren und die Medaillengewinner bei den Deutschen Langstreckenmeisterschaften war für mich symptomatisch für den Wendland84er in Prezelle. Ich musste schon schlucken, als es bei der Siegerehrung auf meine Feststellung, es habe alles ganz gut geklappt, einen solchen Applaus gab. Hier mein Bericht.
Christian Domscheit mit seinem Spurtsieg bei den Männern war der Schnellste eines schnellen Doppelmarathons bei zum Schluss großer Hitze mit Topzeiten über die 84,39 km. Selbst bei der offiziellen Marathon-Zwischenzeitnahme gab es noch etliche Bestzeiten und sogar einen deutschen Rekord. Das wäre dann der neunte nationale Rekord gewesen. Denn schon über die 84,39 wurden es acht Rekorde. Bei den Männern gab es in allen Altersklassen neue Bestzeiten, bei den Frauen in der W40, W50 und bei den Juniorinnen.
Domscheit führte eine elfköpfige Spitzengruppe an, die sich mit einer schnellen dritten Runde, in der ein Halbmarathon in 35:25 geskatet wurde, von weiteren 18 Skatern absetzte. Sie waren aus dem Riesenpulk übriggeblieb waren, der gemeinsam nach 1:12:46 die Matten für die Marathonzwischenzeiten überquert hatte. Domscheit gewann überlegen den Endspurt in 2:25:13,00 vor neun Konkurrenten, die ebenfalls den alten deutschen Rekord von Andreas Andruleit (2001: 2:26:21) unterboten. Silber sicherte sich Robert Hirsch vor Bernhard Krempl. Vorjahresgesamtsieger und M30-Titelverteidiger Andruleit war als Vierter schneller als erwartet und stellte mit 2:25:14,7 einen neuen deutschen Rekord für die M30 und M40 auf. Da Andruleit für die Hauptklasse gemeldet hatte, gingen die Titel in diesen Altersklassen an andere. Männertitelverteidiger Kai Menze landete im Spurt auf dem sechsten Rangs.
In der M30 gewann Rainer Arnold, der als einziger M30er im Spitzenpulk mithielt, in 2:25:18,2. Um die weiteren Medaillen kämpften im Verfolgerpulk weitere fünf Skater der M30. Diesen Spurt gewann Olo Flohr als Gesamt-14. in 2:28:13,8 vor Thomas Ladener in 2:28:14,45.
In der M40 holte Chris Hurschler seinen ersten deutschen Meistertitel in 2:28:14,8. Um die restlichen Medaillen spurteten fast drei Minuten später Ulrich Schertl (2:31:06,8), Karl Scheib (2:31:07,45) und Gisa Merkl (2:31:07,75), der jedoch als Vierter leer ausging. Titelverteidiger Ulrrich Dotter war aus dieser Gruppe herausgefallen und musste sich diesmal mit dem zehnten Rang begnügen.
Seinen im Vorjahr an Albrecht Bauer verlorenen Titel holte sich Walter Liebertz zurück. Mit 2:32:19,1 verbesserte er den Deutschen Rekord seines Vorgängers um fünf Minuten. Bauer wurde sechs Minuten später Zweiter vor Rainer Rudolph, der im Spurt derselben Gruppe nicht gegenhalten konnte.
Das Kilometergeld für die größte Rekordverbesserung holte sich Heinz-Peter Kattau, der seinen Titel in 2:47:42,9 Souverän verteidigte. Hartmut Jahnke und Max Paas unterboten die alte Bestzeit auch noch. Sogar Zweiter hätte der Fitnesssieger der M60, Peter Scholz, werden können, der starke 2:49:21,7 skatete.
Mit ihrem Verzicht auf dem Spurt sicherte sich Beate Förster die Sympathien der deutschen Skater. Dies als faire Geste zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Leider habe ich erst heute davon erfahren, sonst hätten wir uns für Beate noch etwas für die Siegerehrung ausgedacht. Sie hatte Anne Krieg im Ziel vorgelassen, weil die neue Meisterin am meisten geführt hatte. Den deutschen Rekord verpasste Krieg nur um ein paar Hunderstelsekunden. Krieg, Förster und die Dritte Ann-Kathrin Heinze waren dem über 20-köpfigen Spitzenpulk der Frauen nämlich nach etwa mehr als der Hälfte der Strecke davon gefahren. Heinze konnte dem Tempo nur einige Kilometer folgen und wurde auf der letzten Runde wieder vom auf sechs Skaterinnen geschmolzen Pulk eingeholt. Heinzes Mut wurde jedoch mit dem Spurtsieg um die Bronzemedaille gegen Sabrina Rossow belohnt, die sich mit einem deutschen Juniorinnenrekord trösten kann. Titelverteidigerin Sabine Clas gab auf, als sie etwa 10 km vor dem Ziel auch der nächsten Gruppe nicht mehr folgen konnte.
In der Verfolgergruppe musste auch Stephanie Pipke um ihren Titel in der W30 spurten, was ihr mit einem Vorsprung von 0,25 Sekunden vor Annette Schräder gelang. Fast fünf Minuten später war Colette Becker die schnellste von drei weiteren W30ern, als es um die Bronzemedaille in dieser Altersklasse ging.
In der W40 holte sich Beate Hart den Titel und unterbot in 2:53:10,95 sogar den alten deutschen Rekord. Doch die Titelverteidigerin der W50, Liane Witt, war noch etwas schneller. Die zweite Stufe auf dem Siegertreppchen erreichte Renate Leverkus in 3:03:18,85 Std. vor der Titelverteidigerin Heike Prochazka in 3:32:03,00. In der Fitnessklasse reichte eine solche Zeit in der W40 nur achten Rang. Die schnellste Fitnesskaterin der W40, Anke Biehl war in 2:53:17,05 sogar fast so schnell wie die neue deutsche Meisterin.
Als klare Favoritin holte Liane Witt in der W50 den Sieg. Mit ihren 2:53:10,2 lag sie 49 Minuten vor der Zweiten, Susanne Sukrow, und Brigitte Weigel. In der W60 kam nur Rosemarie Zilm durch. Sie quälte sich über die letzte Runde und überlief nach 4:21 Std. die Zielmatte auf dem Dorfplatz in Prezelle. Tragisch das Wettkampfende für Margrit Timmann, sie brach vor Erschöpfung ein paar Hundert Meter vor dem Ziel zusammen, gut eine halbe Stunde in Führung liegend. Ein kleiner Trost mag für sie der neue deutsche Marathonrekord für die W60 in 1:30:16,6 sein.
Erfolgreichster Verein war BG Groß-Gerau mit zwei Titeln und zwei weiteren Medaillen. Nur noch die ausrichtende IGAS Wendland holte zwei weitere Titel und das Skate-Team Celle ebenfalls vier Medaillen. 17 Vereine teilten sich die zehn Titel und 18 weiteren Medaillen.
Hier der Medaillenspiegel:
			Gold	Silber	Bronze
BG Groß-Gerau		2 	1 	1 
ST Celle			1	3
SCC Berlin		1	1	1
IGAS Wendland		2		
CST Köln		1		1
SC Schwenningen			1	1
ERC Homburg		1
TV Gettorf		1
IC Hannover		1
RSC Emden		1
EV Dresden			1
ISC Münster			1
BTV Wuppertal-Ronsdorf		1
RC Amor Hamm			1
SSV Wilhelmshaven		1
SSV Dhünn				1
ISC Regensburg				1

Gehofft hatten die Organisatoren von der IGAS Wendland auf eine erneute Steigerung der Teilnehmerzahl. Von den fast 680 gemeldeten Sportler traten 624 an. Wegen der Hitze gaben 78 beim Doppelmarathon un 9 Marathonskater auf. Hier die Teilnehmerstatistik:
			gestartet	gefinisht
84,39 km DM Männer	196		160 (81 %)
84,39 km DM Frauen	61		50  (81 %)
84,39 km Fit Männer	109		86  (78 %)
84,39 km Fit Frauen	42		34  (80 %)
84,39 km gesamt		408		330 (80 %)

42,195 km Männer	81		78  (96 %)
42,195 km Frauen	35		29  (82 %)
19,5 km Männer		43		43 
19,5 km Frauen		42		42
2,5 km Jungen		10		10
2,5 km Mädchen		5		5

Männlich gesamt		439		377 (85 %)
Frauen gesamt		185 (29 %)	160 (86 %)

gesamt			624		537 (86 %)
Jedenfalls zeigen die Resonanz und die Leistungssteigerungen, dass es richtig war, die deutsche Langstreckenmeisterschaft nicht abzuschaffen. Da die Streckenlänge aber auf über 80 Kilometer festgelegt wurde, gibt es Überlegungen, im nächsten Jahr einen Dreifachmarathon auszutragen.
Wobei wir beim Wetter wären. Viele Skater hatten nach dem Gewitterrennen vor einem Jahr wohl für besseres Wetter gebetet. Aber ein bischen zu lange. Denn es wurde heiß richtig heiß. Das führte unter anderem dazu, dass auf einem Teil der Strecke zwischen Schweskau und Groß Breese einige gefährliche aufgeweichte Betumenstellen entstanden. Die Größte wurde von der Feuerwehr abgesichert. Aber auch ohne die Sonne ist der Asphalt seit dem ersten Wendland84er vor zwei Jahren nicht besser geworden. Die Organsiatoren hoffen für einige Streckenpassagen auf neuen Asphalt.
Das andere Hitzeproblem, die Versorgung mit kühlem Nass, hat die IGAS dank der gut 100 Helfer und Helferinnen in den sieben Dörfern, durch die die 22,7-km-Runde führt, gut in den Griff bekommen. Auch wenn die 0,75-l-Flaschen manchem Skater zu groß waren, konnte mit den gut 1400 gereichten Flaschen, die in der Endphase des Rennens ständig wieder aufgefüllt wurden, das Schlimmste verhindert werden. Viele Skater kippten sich das Wasser auch in die Anzüge und über den Helm. Überraschenderweise gab es auch einige Frauen, die ihre Anzüge bis zu den Hüften herunter krempelten.
Auch die Verpflegung im Ziel mit vielen Getränken und dem kostenlosen Kuchenbüfett kam bei den Skatern gut an. Ein erster Höhepunkt war am Vorabend schon die Nudelparty gewesen, bei der sich im Zelt unter den Eichen in der Ortsmitte von Prezelle an die 400 Skater und gut 200 Helfer und Helferinnen getroffen haben. Bis spät in den Abend genossen viele die angenehme Atmosphäre auf dem Dorfplatz.
Für kurze Verwirrung sorgte ein Zeitnahmeproblem. Alle Strecke waren zu früh gestartet worden. Doch die Differenz zur offiziellen Uhr war abgezogen, sondern addiert worden. Dadurch wurden zunächst 3 Minuten zu schnelle Zeiten ausgehängt und auf die Marathon-Urkunden gedruckt. Weil keine Urkunden nachgedruckt werden konnten, wurden dann diese Urkunden bei der Siegerehrung ausgegeben. Übrigens: Die Zeitmessmatte am Marathonstart diente nicht der Startkontrolle, sondern nur für die Zeitnahme offizieller Marathon-Ergebnisse. Es gab also nur Bruttozeiten. 69 Skater skateten in Prezelle den Marathon in weniger als 1:13 Std., das gab es in dieser Saison noch nicht annähernd in einem reinen Marathon-Rennen in Deutschland, nicht einmal bei der Jever-Blade-Challenge. Selbst in Berlin waren im Vorjahr nur 47 deutsche Skater so schnell.
Womit wir bei den Stürzen wären. Bisher wurde in Prezelle wegen der Streckenlänge meist partnerschaftlicher und weniger aggressiv als bei den Marathons geskatet. Das war am Sontag wohl vorbei. Die Organisatoren zählten gut zwei Dutzend Stürze, davon zumindest ein schwererer mit Schlüsselbeinbruch. Dieser Sportler und drei weitere mussten wegen Kreislaufproblemen in Krankenhaus nach Dannenberg gebracht werden. Ihnen sei gute Besserung gewünscht. Die Sanitäter und der Rennarzt hatten viel zu tun. Wie dieses Problem insgesamt abgemildert werden kann, darüber denken die Organisatoren schon nach.
Bei der Siegerehrung gab es nicht nur Applaus für die Medaillengewinner der DM, sie erhielten auch wendländische Holzkissen zur Erinnerung. Nachgedacht wird bei der IGAS auch darüber, die Medaillen für die Fitnessskater im nächsten Jahr an die letzten drei jeder Altersklasse zu verteilen, weil es viel anstrengender ist, über vier Stunden zu skaten als nur drei Stunden lang - vor allem, wenn man nicht so gut trainiert ist. Zudem gab es doch einige lizensierte Skater, die sich für die Fitnessklasse angemeldet hatten. Dabei wurden die Sachpreise, die von Raps, inlion.com und Salomon gespendet worden waren, doch unter allen Teilnehmern verlost. Noch besser bestückt war die Tombola für die Helfer und Helferinnen.
Etwas untergegangen sind die niedersächsischen Meisterschaften, bei denen neun Landesrekorde über 84,39 km aufgestellt wurde. Bei den Männern holte sich Mario Flohr im Spurt den Sieg vor Titelverteidiger Axel Hildebrand und dem M40-Landesmeister Chris Hurschler. Bei den Frauen siegte überraschend Colette Becker vor Marleen Krümpelmann und Sylvia Ordowski. Weiterr LM Siege holten Walter Liebertz (M50), Hein-Peter Kattau (M60) und Liane Witt (W50).
Die Medaillengewinner der LM:
Männer Gesamt: 1. Flohr (ST Celle) 2:28:13,8 LR Mä, M30; 2. Axel Hildebrand (IGAS) 2.28:14,2, 3. Chris Hurschler (IC Hannover) 2:28:14,8
M30: 1. Flohr, 3. Bert Burmester (IGAS)
M40: 1. Chris Hurschler 2:28:14,8 LR M40, 2. Thomas Rumpf (ST Celle) 2:31:15,55
M50: 1. Walter Liebertz (IGAS) 2:32:19,1 LR M50, 2. Rainer Rudolph (ST Celle) 2:38:39,4; 3. Dierk Ufferhusloh (OSC Leer) 2:45:15,95
M60: 1. Heinz-Peter Kattau (RSC Emden) 2:47:42,9 LR M60, 2. Hartmut Jahnke (SSV Wilhelmshaven) 2:54:24,00, 3. Heinrich Kohlrust (ST Celle) 3:26:12,7
Frauen: 1. Colette Becker (ST Celle) 2:48:15,6 LR W, W30, 2. Marleen Krümpelmann (IC Hannover) 2:48:54,2, 3. Sylvia Ordowski (IC Hannover) 2:48:55,1
W30: 1. Colette Becker (ST Celle) 2:48:15,6 LR W, W30, 2. Sylvia Ordowski (IC Hannover) 2:48:55,1
W50: 1. Liane Witt (IGAS) 2:53:10,2 LR W40, W50, 2. Brigitte Weigel (ST Celle) 3:39:41,25, 3. Arnhild Grünberg (IGAS) 3:37:52,15
Hier gibt es die Ergebnisse des Doppelmarathons mit den Ausgeschiedenen: Männer / Frauen (mit Fitnessklasse) / Männer