Doppelmarathon-DM in Prezelle am 21. Juli 2002


Andruleit und Clas holen die Titel im Regenrennen

boick/prezelle/22.7. Es wäre wohl zu großes Glück gewesen, wenn es bei den Deutschen Doppelmarathon in Prezelle nicht geregnet hätte. Der immer heftigere Niederschlag setzte am Sonnabend wenigstens erst nach etwas mehr als einer Stunde ein, sonst wären wohl erheblich weniger Skaterinnen und Skater an den Start gegangen. Doch die meisten, die dann schon unterwegs waren, wollten auch bei solch widrigen Bedingungen durchhalten. So sahen die wegen des Wetters wenigen Zuschauer ein enorm schnellen ersten Marathon und den Kraftakt vieler Starter auf der zweiten Hälfte. Wie erwartet heißt der neue deutsche Meister wie der alte: Andreas Andruleit (TuS Holtenau Kiel/Salomon) überrollte nach 2:31:05 Std. die Ziellinie rund 200 Meter vor seinem Teamkollegen Kai Menze (BG Groß-Gerau), der sich in 2:31:22 Std. den Titel in der Männer-Hauptklasse vor Tilo Bock (ESC Dresden/Salomon) in 2:32:46 holte. Bei den Frauen fiel die Entscheidung erst auf den letzten 1000 m. Die Vorjahresdritte Sabine Clas (ISC Münster/Salomon) setzte sich im Spurt nach 2:51:03 klar von Beate Förster (ESC Dresden/Powerslide) in 2:51:06 und Stephanie Pipke (SCC Berlin/Salomon) in 2:51:07 ab, die ihren Titel in der W30 verteidigte.
Trotz des Regens in der zweiten Rennhälfte gab es in den Alterklassen vier neue deutsche Rekorde, was zeigt, wie schnell dieser 22,7-km-Kurs durch den Osten Lüchow-Dannenbergs ist. Albrecht Bauer (SF Tuttlingen) holte sich als neuer Meister der M50 mit 2:37:19,8 den Rekord in seiner Altersklasse vor dem Vorjahresmeister Walter Liebertz von der gastgebenden IGAS Wendland in 2:46:05,7. Er sicherte sich die Silbermedaille knapp vor Rainer Rudolph (ST Celle/2:46:06). Auch der frühere Spitzen-Eisschnellläufer Heinz-Peter Kattau (ERC Emden) trug sich wieder in die Rekordliste ein, als er sich nach 2:56:27,05 den DM-Titel der M60 holte. Auch die Medaillengewinner Bernd Schlotte (Berliner TSC/2:58:20,15), Werner Plaumann (Halstenbeker TS/2:58:20,35) und der M60-Sieger der Fitness-Wertung Peter Scholz (Olching/2:58:19,95) unterboten den alten Rekord von Reiner Ertel, der auf der letzten Runde aufgab, deutlich. Gleich die Rekorde in zwei Altersklassen verbesserte die Schwerinerin Liane Witt (IGAS). Als Gesamtsiebte skatete die neue deutsche Meisterin der W50 2:58:15,95, was auch in der W40 neuer Rekord ist.
Das Salomon-Team hatte das Rennen jederzeit im Griff. Die anfangs über 60-köpfige Spitzengruppe raste enorm schnell über die fast ebene Runde. Viele Skater unterboten schon an der Halbmarathon-Marke, die nach knapp unter 36 Minuten erreicht wurde, ihre aktuelle Bestzeit über diese Strecke. Auch nach der Hälfte der Strecke waren viele des auf gut 40 Skater zusammengeschmolzenen Spitzenpulks schneller als bisher in einem Marathon. 1:12 lautete die Zwischenzeit nach 42,195 km. Ein paar Kilometer später am Starthügel verabschiedeten sich acht Skater aus dem Hauptfeld: Andruleit, Menze, Bock, David Hensel (RSV Gera), Olo Flohr (ST Celle/Powerslide), Tommy Ulbrich (SCC Berlin/Powerslide), Marco Keßler (RSV Gera) und Robert Hirsch (Rollerblade). Während sich Andruleit, Menze und Bock auf der letzetn Runde noch deutlich absetzen konnten wurden, rettete Hensel sich noch mit 12 Sekunden vor dem Hauptfeld ins Ziel. Die anderen Ausreißer wurden wieder eingeholt. Den Spurt gewann Robert Hirsch vor Lokalmatador Axel Hildebrand (IGAS).
Bei den Frauen zerbröselte die anfangs 13-köpfige Spitzengruppe von Runde zu Runde. Zuerst konnte Janina Tokarz (IGAS) dem Tempo (21,1 km: 39:33) nicht mehr folgen. In der dritten Runde (42,2 km in 1:21:20) setzten sich Clas, Förster, Pipke, Yvonne Hommel (ST Celle/Mogema) und die überraschend starke Maike Thode (ST Kiel) nach vorne ab. Der andere Teil der Spitzengruppe verlor im Regen über 2 Minuten auf dieser Runde. Auf den letzten 20 Kilometern konnten auch Thode (5. in 2:56:29) und Hommel (4. in 2:55:14) dem Tempo des Spitzentrios nicht mehr folgen.
In den Altersklassen gab es trotz des Regens durchweg einen Leistungschub, auch wenn Titelverteidiger Ulrich Dotter (ISV Regensburg/Rollerblade) als Gesamtzehnter seinen deutschen Rekord in der M40 in 2:33:24,4 verpasste. Auch die Medaillengewinner der M40, Jörg Besch (HW Schwenningen/2:33:25,75) und Jörg Kammler (SCC Berlin/2:33:25,85) erreichten im Hauptfeld das Ziel. Bei den Frauen W30 gewann Katrin Anslik (ST Celle/inlion.com) den Spurt um die Vizemeisterschaft hinter Pipke in 2:58:13,9 vor Steffie Alscher (CST Köln/2:58:16,3) und Susanne Lösche (ST Elbe/2:58:16,4). In der W40 erspurtete sich Heike Prochazka (SCC Berlin/3:17:05,65) knapp den Titel vor Karin Stangl (ISC Regensburg/3:17:06,45). Dritte wurde Renate Leverkus (BTV Ronsdorf Graben) in 3:18:14. In der W50 holte sich Susanne Sukrow (SCC Berlin) in 3:47:43,7 die Silbermedaille vor Arnhild Grünberg (IGAS/3:54:58,55). Redlich verdient hat sich Elfriede Hecker (TF Feuerbach) den Titel der W60, in 3:54:59,55 erreichte sie als Einzige ihrer Altersklasse das Ziel.
Mehr als zufrieden waren die Organisatoren von der IGAS Wendland, die von gut 200 Helfern aus den Feuerwehren und den Dorfgemeinschaften der Orte an der Strecke sowie den Prezeller Vereinen unterstützt wurden, mit der Teilnehmerzahl. Von 549 angemeldeten Skatern auf den vier Strecken traten trotz der schlechten Wetteraussichten 526 antraten. 446 von ihnen erreichten das Ziel in Prezelle. Allein beim Doppelmarathon gaben von 311 gestarteten Skaterinnen und Skatern 50 auf. Auf die deutschen Spitzenskater übt der Doppelmarathon allerdings offensichtlich keine Anziehungskraft aus. Von ihnen fehlten die meisten, einige wegen der Europameisterschaften.
Erfolgreichster Verein bei den Titelkämpfen war der SCC Berlin mit fünf Medaillen, darunter zwei Titeln. Vier Medaillen holten die Skater vom ST Celle. An dritetr Stelle die ausrichtende IGAS Wendland mit einem kompletten Medaillensatz. Skaterinnen und Skater aus 17 Vereinen teilten sich die 28 vergebenen Medaillen, die 10 Titel gingen an Sportler aus neun Vereinen.
SCC Berlin 2 G 1 S 2 B
ST Celle 2 S 2 B
IGAS Wendland 1 G 1 S 1 B
ISC Regensburg 1 G 1 S
ESC Dresden 1 S 1 B
Bei den gleichzeitig ausgetragenen Landesmeisterschaften siegten die Titelverteidiger Axel Hildebrand und Yvonne Hommel. Neue Landesrekorde stellten Thomas Rumpf (ST Celle/Mogema) mit 2:37:20,75 als Sieger der M40, Heinz-Peter Kattau in der M60, sowie Liane Witt mit 2:58:15,95 in der W40 und W50 auf.
Hier die LM-Medaillengewinner:
Männer: 1. Hildebrand (IGAS) 2:33:24,1; 2. Olo Flohr (ST Celle/Powerslide) 2:33:24,15, 3. Alexander Schmitz (IGAS) 2:33:24,35
M30: 1. Flohr, 2. Thilo Ohrmundt (ST Elbe) 2:33:24,75
M40: 1. Thomas Rumpf (ST Celle/Mogema) 2:37:20,75, 2. Robert Ameln (IGAS) 2:37:28,1
M50: 1. Walter Liebertz (IGAS/Mogema) 2:46:05,7, 2. Rainer Rudolph (ST Celle) 2:46:06
M60: 1. Heinz-Peter Kattau, 2. Peter Behrens (ERC Emden) 3:07:07,45, 3. Hartmut Jahnke (SSV Wilhelmshaven) 3:09:24,75.
Frauen: 1. Yvonne Hommel, 2. Anslik, 3. Witt
W30: 1. Anslik, 3. Susanne Lösche (ST Elbe)
W40: 1. Witt, 2. Petra Liebertz, 3. Grünberg